Altersstufe ab 7. Klasse
Genre Grafikdesign
Schülerinnen und Schüler sind eingeladen, Farbe nicht primär als ästhetisches Gestaltungsmittel, sondern als Forschungsobjekt zu begreifen. Durch praktische Experimente mit natürlichen Farbstoffen, chemischen Reaktionen und selbst hergestellten Farben werden vielseitige Verbindungen aufgemacht.
ab 7. Klasse
Für zwei Tage starten wir ein Farblabor bei euch in der Schule. Farben kommen nicht nur aus der Tube - Farbe ist, was eine Spur hinterlässt - und das seit sehr langer Zeit. Wir nehmen uns Zeit für Experimente und kreatives, forschendes Lernen zwischen Alltagsprodukten und Spezialpigment. Spannend ist dabei sich alle Schritte anzusehen: vom Sandhäufchen, Kaffeesatz bis hin zum Pigment. Synthetische und natürliche Bestandteile treffen aufeinander.
Der Workshop stellt den Prozess über das Produkt. Im Zentrum steht das experimentelle Arbeiten, das Beobachten, das Fragenstellen und das Entdecken – als künstlerische Kompetenzen, die weit über den Kunstraum hinausreichen.
Am ersten Tag tauchen die Teilnehmenden in die Welt der unsichtbaren und natürlichen Farben ein. Durch die Arbeit mit Zitronensaft als „unsichtbarer Tinte" und die Gewinnung eines pH-Indikators aus Rotkohl werden grundlegende chemische Prinzipien (Säure-Base-Reaktionen) spielerisch erfahrbar. In Kleingruppen entstehen aus einem violetten Grundton diverse Farbtöne, die dann in experimentellen Aquarellen auf ihre Wechselwirkungen hin untersucht werden. Die Dokumentation dieser Prozesse erfolgt in persönlichen Forschungsheften.
Tag zwei stellt eine Verbindung zu herkömmlicheren Farben und Farbstoffen her und beschäftigt sich damit wieder mit Sichtbarem und Unsichtbarem. So werden die Zitronensaft-Zeichnungen vom Vortag durch Hitze sichtbar gemacht. Mittels mitgebrachter Farben und der Malmittel im Kunstraum wird die Bandbreite an verschiedenen zu kaufenden Farben erschlossen. Auch Produkte, die nicht als Farbe deklariert sind, aber als Farbmittel zum Einsatz kommen könnten (z.B. Zahnpasta), werden mit in den Blick genommen. Im Anschluss lernen die Schülerinnen und Schüler das Grundrezept von Farbe kennen (Pigment, Füll- und Bindemittel) und stellen selbst Leimfarben her. Dabei kommen verschiedene Naturpigmente, selbst mitgebrachte Erden, sowie ein thermochromes Spezialpigment zum Einsatz, das bei Körpertemperatur seine Transparenz ändert. Dieser Special Guest verdeutlicht noch einmal die Verbindung von Materialeigenschaften und sinnlicher Erfahrung. Mit den selbst hergestellten Farben wird eine weitere Serie von Bildern erstellt, in der alle Farben miteinander reagieren dürfen. Mehr Informationen zu den Einheiten finden Sie im detaillierten Ablaufplan.
Der Workshop fördert experimentelles Denken, Geduld und Teamfähigkeit in Kleingruppen. Er schafft Bezüge zwischen Kunst, Chemie und Alltag und zeigt, dass ästhetische Erfahrungen weit über den klassischen Kunstunterricht hinausgehen.
Benötigte Materialien:
saugfähiges Papier (A5 und größer), Forschungshefte, Bleistifte
verschiedene Pinselgrößen, Spachtel, kleine Gefäße
Rotkohl, Zitronen, Erde/Sand (optional mitzubringen)
Natron, Glasreiniger, Waschmittel
thermochrome Pigmente, Farbleim, Naturpigmente, Kreide
Handschuhe, Kittel
Kamera/Smartphone für Fotodokumentation
Im Workshop werden hauptsächlich alltägliche und günstige Materialien verwendet. Die Verwendung von Pigmenten, im Besonderen des thermochromen Pigments hängt von dem verfügbaren Budget ab, gerade letztere sind optional und für den forschenden Charakter des Workshops nichts ausschlaggebend.
Die meiste Zeit wird in Kleingruppen gearbeitet. Alle Übungen, Zwischenschritte und Tests werden in einem Forschungsheft zum Workshop gesammelt.
TAG 1
Kurzes Warm Up; Gemeinsame Vorstellungsrunde; Einführung zu den beiden Workshop-Tagen (Programm und Erwartungen).
Als Startmoment zum Thema Farbe machen wir eine gemeinsame Übung, die uns an Tag zwei wieder begegnen wird. Wir malen mit durchsichtiger Farbe auf weißes Papier. Die Übung findet zu zweit statt. Jede:r macht eine schnelle Malerei nach der Erzählung der Partner:in. Die Schwierigkeit ist, dass gemaltes schnell fast nicht mehr zu sehen ist. Zusätzlich wird eine Farbkarte für das Forschungsheft angefertigt.
Material: saugfähiges Papier A5, Zitronensaft, Pinsel
Gemaltes bleibt vorerst unsichtbar; Papiere werden zum Trocknen weggelegt
Kurze Präsentation und Quiz mit mitgebrachten Gegenständen und Abbildungen: Farbe im Alltag und in der (Kunst)Geschichte.
4.1 Erstellen der Farben
Der Saft wird aus einem zerkleinerten Rotkohl gewonnen. In Kleingruppen fügen die SuS dem Rotkohlsaft saure und basische Flüssigkeiten hinzu. Für jeden Farbton sind Rezepte vorbereitet, Gefäße und Hilfsmittel stehen bereit. Aus dem violetten Grundton entstehen Farbtöne von rot, blau, grün und gelb. Sorgfältiges Arbeiten ist gefragt.
Arbeiten in Kleingruppen
Materialien: kleine Gefäße, Handschuhe, Hilfsmittel; Natron, Zitronensaft, Glasreiniger, Waschmittel, Wasser
4.2 Farbkarten
Gemeinsam werden die Entdeckungen besprochen und Erklärungen erarbeitet. Anschließend erstellt jede Person eine Farbkarte zu jedem Farbton. Hier kann geübt werden, die Farben nicht zu vermischen, damit das Säure-Base-Verhältnis und damit der Farbton nicht gestört werden.
Materialien: Papier, Pinsel, Bleistift
Mittagspause -
Aus dem restlichen Rotkohl wurde ein Salat vorbereitet - wer möchte kann sich damit stärken und probieren wie die „Farbe" schmeckt.
4.3 Rot-Blau-Grün-Kohl Aquarell
Das experimentelle Malen beginnt. Je nach Selbstständigkeit der SuS werden Übungen zur Verfügung gestellt oder direkt freies Experimentieren begleitet.
Die unterschiedlichen Farbtöne reagieren aufeinander, da sie den gegenseitigen Säure-Base-Gehalt beeinflussen. Wichtig ist deshalb die Farbe in den Töpfen nicht zu mischen. Auf dem Papier können die Reaktionen beobachtet werden: die flüssigen Farben laufen durcheinander, können mit Abstand getrennt bleiben oder nach kurzen Trockenphasen übereinander aufgetragen werden. Beim Trocknen und noch darüber hinaus verändern sich die Farben immer weiter. Die Kleingruppen teilen sich die jeweiligen Farben und können Farberscheinungen gemeinsam erleben. Zwischendurch wird das Malen pausiert und Entdeckungen mit der gesamten Klasse geteilt.
Material: Papiere in verschiedenen Größen, Pinsel, weitere Hilfsmittel
Optional: erweitern mit anderen Materialien (Drucktechniken, direktes Beimischen der weiteren Zutaten)
4.4. Abschluss
Am Ende des ersten Tages werden die Malexperimente zum Trocknen gelegt und Fotos gemacht, um die Farbveränderungen festzuhalten. Getrocknete Farbkarten werden in das Forschungsheft geklebt. Kurze Abschlussrunde.
Option für Tag 2: Wer möchte kann etwas Erde oder Sand und eine Farbe/Farbstoff von zu Hause mitbringen
TAG 2
Kurzes Warm Up & Leimvorbereitung; Getrocknete Experimente werden aufgehängt und Farbveränderungen seit dem Vortag begutachtet. Meist werden die Farben dunkler und noch etwas blauer. Kontraste zwischen den verschiedenen Nuancen heben sich klar ab.
Vorsichtig werden die mit Zitronenfarbe bestrichenen Papiere mit einem Bügeleisen erhitzt. Die vorher unsichtbare Malerei wird sichtbar und erscheint orange-bräunlich. In einer gemeinsamen Unterhaltung wird analysiert: wie hat das funktioniert? Warum?
SuS tauschen sich über die Bilder und die „wieder entdeckten“ Geschichten aus
7.1 Einführung
Gemeinsam werden Farben zusammengetragen: Welche Farben gibt es vor Ort im Kunstraum? Was wurde mitgebracht? Welche Arten von Farbe haben wir? Einsatzbereiche und Zusammensetzung werden besprochen. Einführung des Grundrezepts aus Pigment, Füll- und Bindemittel.
7.2 Markt der Farben
Die Kleingruppenplätze werden wieder zu Produktionsstätten. Eine Info-Ecke sammelt die verschiedenen Farben, Objekte und Bücher. Alle Gruppenplätze sind mit den Materialien ausgestattet, um Farben anzurühren, die Pigmente unterscheiden sich aber. Schritt für Schritt lernen die SuS als Beispiel eine Leimfarbe als Beispiel einer selbsthergestellten Farbe anzurühren. Mitgebrachter Sand (u.ä.) muss vorher vorbereitet, fein gemahlen und gesiebt werden. Bei der Verarbeitung fällt bereits die unterschiedliche Beschaffenheit der verschiedenen Pigmente auf.
Im Anschluss rotieren die SuS zwischen den Stationen der Arbeitsgruppen um zu allen Farben Farbkarten zu erstellen. Ein Special Guest unter den Farben: Ein Spezialpigment, das auf Temperatur reagiert. Die Eigenschaft, dass es bei über 28 Grad transparent wird, wird erst nach dem Trocknen sichtbar.
Material: Plastikfolie, Spachtel, Farbleim, Gläser, Kreide, Naturpigmente, mitgebrachtes Material (z.B. Sand, Erde, Kaffeepulver), Specialpigment: Thermochromes Pigment
Mittagspause -
7.3 Experimentelles Malen
In dieser Phase dürfen alle verfügbaren Farben verwendet, gemischt und ausprobiert werden – einschließlich des Rotkohlsafts und aller dazugehörigen Zusatzmittel. Schritt für Schritt können die Teilnehmenden verschiedene Farbmittel miteinander kombinieren und deren chemische Reaktionen direkt beobachten. Besonders spannend ist der gezielte Einsatz des thermochromen Pigments: Es kann beispielsweise als letzte Schicht aufgetragen werden, um darunterliegende Malereien zu überdecken, die dann erst durch die Körperwärme der Hände wieder sichtbar werden.
7.4 Abschluss
Der Workshop endet mit einer spielerischen Betrachtung der entstandenen Experimente, bei der die SuS ihre Werke gemeinsam sichten und sortieren, um daraus eine kleine Serie der Ergebnisse zu erstellen. Parallel dazu wird das persönliche Forschungsheft vervollständigt. Den Abschluss bildet eine gemeinsame Reflexion über den gesamten Workshopverlauf, in der die gesammelten Erfahrungen ausgetauscht werden.